Münchner Zentrum für antike Welten
print


Navigationspfad


Inhaltsbereich

Dissertationsprojekt

Übersetzung, Kommentierung und Einleitung zu Magnus Felix Ennodius, Libellus contra eos, qui contra synodum scribere praesumpserunt

Im Zentrum meiner Dissertation steht die Streitschrift Libellus contra eos, qui contra synodum scribere praesumpserunt (auch Libellus pro synodo genannt) des Magnus Felix Ennodius (473/74 - 521 n. Chr.), Diakon und später Bischof von Ticinum/Pavia. Darin äußert er sich zum Symmachianischen Schisma, das nach der Doppelwahl von Laurentius und Symmachus zum Bischof von Rom (498 n. Chr.) die Kirche im weströmischen Reich bis zum Jahre 514 n. Chr. in heftige Auseinandersetzungen verwickelte. Symmachus wurde trotz der Intervention des Königs Theoderich wegen mehrerer Vergehen angeklagt und zuletzt auf einer Synode (501/502) freigesprochen. Diesen Freispruch verteidigt Ennodius im Libellus und polemisiert dabei in einer heftigen Invektive gegen die Anhänger des Laurentius. Sein Eintreten für den „rechtmäßigen“ Bischof von Rom machte ihn nicht nur im Mittelalter zu einer von den Päpsten Nikolaus I. und Johannes VIII. zitierten Autorität, sondern läßt ihn auch in der modernen Forschung als Vordenker für den Primat des Papstes erscheinen. Umso erstaunlicher ist es, dass der Libellus bisher weder in eine moderne Sprache übersetzt noch kommentiert worden ist.

Für eine angemessene Beurteilung von Ennodius’ Wirkung ist es somit notwendig, Inhalt und Sprache des Libellus pro synodo genau zu untersuchen, um diesen Text der Foschung zugänglicher zu machen. Hier ist vor allem an drei Disziplinen gedacht, die sich bei meinem Dissertationsvorhaben in vielfacher Hinsicht verknüpfen und ergänzen: Philologie, Geschichte und Theologie. In der lateinischen Philologie soll eine Lücke geschlossen werden in der Bearbeitung des Ennodius im Besonderen und der spätantiken (christlichen) Literatur im Allgemeinen. Im Bereich der alten Geschichte ist zu beobachten, ob und wie im Libellus die Verbindung von Kirche und Staat im Italien der Theoderich-Zeit thematisiert und kommentiert wird. Für die Kirchengeschichte soll eine Basis geschaffen werden für Untersuchungen zum innerrömischen Streit zwischen zwei „Papst“-anwärtern, zu Anklage und Freispruch eines Bischofs durch andere Kleriker sowie zur Ideengeschichte der päpstlichen Vorrangstellung.

Aus diesem Grunde ist geplant, den Libellus mit deutscher Übersetzung, Kommentar und Einleitung zu versehen. Neben Struktur und Aufbau, „Aufführungskontext“ und Publikum soll die Vermischung paganer und christlicher Vorbilder in Sprache und Motivik untersucht werden. Dabei ist zu fragen, welche Ziele mit der starken Rhetorisierung sowie dem als glanzvollen Endpunkt ausgearbeiteten Auftritt von Petrus, Paulus und – überraschenderweise – Roma verfolgt werden. In diesem Kontext müssen auch gattungstechnische Probleme untersucht werden, so etwa die Einordnung der Schrift in die Tradition der antiken Invektive und ein Vergleich mit den Vorgängern. Auf dieser Grundlage wäre abschließend zu fragen, ob der Libellus pro synodo das theologisch tragfähige Fundament für die Vorrangstellung des Bischofs von Rom liefert und die Rolle des Ennodius in dieser Hinsicht richtig beurteilt worden ist.