Münchner Zentrum für antike Welten
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Dissertationsprojekt

Die Pergamente und Papyri vom Mittleren Euphrat (P.Euphr.) – eine Untersuchung der griechischen Texte aus juristischer Sicht

Das Dissertationsvorhaben mit dem Arbeitstitel „Die Pergamente und Papyri vom Mittleren Euphrat (P.Euphr.) – eine Untersuchung der griechischen Texte aus juristischer Sicht“ untersucht die Rechtspraxis in den römischen Provinzen Syria Coele und Mesopotamia anhand von Texten auf Pergament und Papyrus aus dieser Region, die in jüngerer Zeit publiziert wurden. Von den neunzehn gut erhaltenen Urkunden in griechischer und syrisch-aramäischer Sprache wurden die siebzehn griechischen Texte in den Jahren 1989 bis 2000 von Denis Feissel, Jean Gascou und Javier Teixidor mit französischer Übersetzung und historisch-philologischem Kommentar publiziert. Soweit sie datierbar sind, stammen die Dokumente aus den Jahren 232 bis 256 n. Chr.

Außergewöhnlich ist der Herkunftsort der Texte, da Dokumente aus vergänglichen Materialien wie Papyrus oder Pergament bislang hauptsächlich aus Ägypten erhalten sind. Neben den Funden aus Arabia und Iudaea (P.Yadin I) und jenen aus dem ebenfalls in Syria Coele gelegenen Ort Dura Europos (P.Dura) stellt das Euphratdossier damit eine bedeutende neue Erkenntnisquelle für die alltägliche Rechtspraxis in anderen Provinzen dar.

In dem Dossier sind vier Petitionen, drei Kaufverträge über Sklaven, zwei Kaufverträge über andere Güter, ein Verwahrungsvertrag, ein hypothekarisch gesichertes Darlehen, ein Schulderlass und ein unvollendeter Vertragsentwurf enthalten. Von einer Petition und einem Kaufvertrag sind dabei zwei Exemplare angefertigt worden. Zwei Urkunden sind Privatbriefe. Da die Veröffentlichung der Urkunden noch nicht lange zurückliegt, gibt es zu ihnen bislang nur wenige Untersuchungen. Insbesondere liegen noch kaum Bearbeitungen aus dem Bereich der Rechtsgeschichte, gerade zu den privatrechtlichen Dokumenten, vor.

Die Ziele meiner Arbeit sind eine deutsche Übersetzung und ein ausführlicher rechtshistorischer Kommentar der griechischen Texte. Zum einen werden dabei die Urkundenformulare der Dokumente mit jenen der entsprechenden Dokumente, die aus Dura Europos und Ägypten erhalten sind, verglichen. Hierbei können wichtige Erkenntnisse in Bezug auf die reichsweite Verbreitung bestimmter Formulare durch die professionellen Urkundenschreiber, aber möglicherweise auch auf regionale Unterschiede zwischen den einzelnen Provinzen gewonnen werden.

Alle freien Personen, die in den Urkunden auftreten, sind offiziell römische Bürger, da sämtliche Texte aus der Zeit nach der Constitutio Antoniniana (212 n. Chr.) stammen. Dennoch ist fraglich, in welchem Maße diese Texte tatsächlich römisches Recht widerspiegeln, wie es uns insbesondere in den Institutionen des Gaius und dem justinianischen Gesetzeswerk überliefert ist, da sich auch hier, wie in Ägypten, einheimische oder griechisch-hellenistische Elemente erhalten haben könnten. Die Unterschiede herauszuarbeiten, ist somit zum anderen Gegenstand der Untersuchung

Inwieweit dabei eher die privatrechtlichen Urkunden des Dossiers oder die Petitionen stärker in den Vordergrund des Dissertationsvorhabens treten werden, muss sich während der Ausarbeitung des Themas zeigen.