Münchner Zentrum für antike Welten
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Dissertationsprojekt

Kunsthistorische Betrachtungen zur bildlichen Präsentation von Freude und Vergnügen in ägyptischen Privatgräbern

Das Dissertationsvorhaben mit dem Arbeitstitel „Kunsthistorische Betrachtungen zur bildlichen Präsentation von Freude und Vergnügen in ägyptischen Privatgräbern“ setzt sich mit der bildlichen Präsentation von Vergnügen, Genuss und Lust in den ägyptischen Privatgräbern vom Alten Reich bis zum Ende des Neuen Reiches auseinander, in der die emotionale Komponente der Freude durch das Abbilden von Unterhaltung oder Muße zum Ausdruck kommt. Zu diesem Themenkreis gehören z. B. die Musik- und Tanzaufführung vor dem Grabherrn, die Bankettszenen, das Musizieren des „Blinden Harfners“ und wahrscheinlich auch die Jagdszenen.

Trotz der ständigen Erwähnung der emotionalen Komponente von Freude in den Gräbern lieferte die Auseinandersetzung mit ihrer Entwicklung, Bedeutung und Funktion in der Grabausstattung bislang nur oberflächliche Ansatzpunkte. Eine allgemeingültige Definition dieser Bildthematik fehlt bis heute. Auch die übergreifende Bezeichnung der sog. Alltagsszenen ist in dieser Form auch nicht mehr anwendbar. Zwar liegen einige wenige Vorarbeiten zur Totenfeier und zum Festmahl vor, letztendlich beschränken sich diese nur auf die „vorikonographische Beschreibung“ der Szenen. Problematischerweise werden in ihnen ohnehin nur Darstellungen aus dem Neuen Reich behandelt.

Die zentrale Frage des geplanten Dissertationsprojekts liegt in einer komplexen Interpretation der behandelten Darstellungen: Welche Funktion bzw. Bedeutung besitzen die im funerären Kontext angebrachten Darstellungen? Welche Bildmotive sind als typisch für das Bildthema anzusehen? Wie sind sie zu deuten? Welche Interpretationsmöglichkeiten und Bedeutungsebenen können den ausgewählten Bildthemen zugeschrieben werden? Inwieweit ist der ikonologische Ansatz auf die ägyptologische Forschung anwendbar?

Um die oben besprochenen Fragen beantworten zu können, wird im Rahmen der geplanten Dissertation neben einer kunsthistorischen Betrachtung ausgewählter Grabdarstellungen eine komplexe Kontextanalyse unternommen. Zu diesem Zweck werden verschiedene Methoden, vor allem der ikonographische Ansatz, die Hermeneutik und die Bild-Anthropologie, miteinander kombiniert. Durch dieses Vorgehen soll der Zusammenhang von Architektur, Ritual, Bild und Text, der eine wichtige Rolle für die Wahrnehmung ägyptischer Darstellungen spielte, berücksichtigt werden. Zudem soll diskutiert werden, ob und inwieweit sich die ikonologische Analyse auf die ägyptologische Kunstforschung anwenden lässt.

Mit der geplanten Dissertation werden zwei Hauptziele anvisiert: An erster Stelle steht eine kunsthistorische Auseinandersetzung mit der altägyptischen Bildthematik, in der ein durch Vergnügen und Genuss erzeugter emotionaler Zustand der Herzensfreude suggeriert wird. Es wird davon ausgegangen, dass mit der Untersuchung neue Erkenntnisse zur Entwicklung, Intention und Bedeutung dieser Thematik innerhalb der ägyptischen Kunstgeschichte gewonnen werden können. Das zweite Ziel liegt in dem Versuch, einen ikonologischen Ansatz anzuwenden, um Erkenntnisse über den Kontext, die Funktion und die kulturelle und kunsthistorische Einordnung der behandelten Bildthemen zu gewinnen. Von der grundsätzlichen Kontextanalyse ausgehend, die von der Frage nach der kultischen bzw. rituellen Funktion der im Grab angebrachten Darstellungen geleitet ist, soll eine Einordnung der untersuchten Bildthemen in ihren kulturellen und geschichtlichen Rahmen unternommen werden.